Glossar

Betriebshandbuch

Das Betriebshandbuch ist die prozessuale Beschreibung für den laufenden Betrieb eines IT-Systems oder einer Anwendung. Es dokumentiert alle dynamischen Tätigkeiten (Abläufe), die notwendig sind, um den vereinbarten Service-Level aufrechtzuerhalten. Dazu gehören Regelaufgaben (Daily Tasks), Störungsbeseitigung, Wartungsprozesse und Anleitungen für den Systemstart/-stopp.

Das Betriebshandbuch im IT-Betrieb

Regelbetrieb (Standard Operation Procedures – SOPs)

  • Tägliche Checklisten (Log-Prüfung, Backup-Kontrolle).
  • Benutzerverwaltung (Anlage, Änderung, Löschung).

Systemsteuerung

  • Start- und Stopp-Reihenfolgen (z. B. erst Datenbank, dann Applikationsserver).
  • Durchführung von Reboots.

Wartung und Pflege

  • Patch-Management-Prozesse (Wann und wie wird aktualisiert?).
  • Bereinigungsarbeiten (Logs rotieren, Temp-Files löschen).

Störungsbehebung (Incident Management)

  • Erste Hilfe bei bekannten Fehlern (Known Errors).
  • Eskalationswege (Wen rufe ich an, wenn der Neustart nicht hilft?).

Strukturierte Dokumentensammlung statt Einzeldokument

Heute werden Betriebshandbücher nicht mehr als einzelne Dokumente geführt, sondern als strukturierte Sammlung von Dokumenten (z. B. in DMS, Wiki, SharePoint, Confluence), die gemeinsam den Funktions- und Betriebsrahmen eines Systems oder Service beschreiben. Eine detaillierte Struktur-Matrix mit allen empfohlenen Inhalten, Kapiteln und Speicherorten finden Sie auf unserer Übersichtsseite: https://www.dokuit.de/vorlagen-it-dokumentation

Wandel zum Betriebskonzept

In der Vergangenheit waren Betriebshandbücher oft losgelöste Dokumente. Im modernen Dokumentationsmanagement werden die Inhalte des Betriebshandbuchs mit der technischen Systemakte im integrierten systembezogenen Betriebskonzept zusammengeführt. Dies verhindert Medienbrüche zwischen „Konfiguration“ und „Prozess“.

Abgrenzung und Synonyme

Abgrenzung zur Systemdokumentation

  • Systemdokumentation beschreibt primär Aufbau, Struktur und technische Details (z. B. Architektur, Datenmodelle).
  • Das Betriebshandbuch fokussiert auf Betrieb und Verfahren: Wer macht was, wie, wann und mit welchen Hilfsmitteln.

Abgrenzung zu Arbeitsanweisungen und Arbeitsanleitungen

  • Arbeitsanweisungen/-anleitungen beschreiben konkrete Tätigkeiten oder Aktivitäten.
  • Das Betriebshandbuch ist übergeordnet und verweist auf diese Detaildokumente.

Synonyme

  • Betriebsdokumentation (im weiteren Sinne)
  • Operating Manual, System Operations Manual (in internationalen Kontexten)

Verwandte Begriffe

FAQ Betriebshandbuch

Vollumfängliche Handbücher müssen insbesondere für geschäftskritische Systeme und Services, komplexe oder stark vernetzte Anwendungen sowie für Systeme mit hohen Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit oder Compliance erstellt werden. In regulierten Umfeldern kann ein Betriebshandbuch faktisch für alle relevanten Systeme erwartet werden. Für ein kleines Hilfstool reicht oft eine Seite im Wiki mit den Punkten „Start/Stopp“ und „Ansprechpartner“.

Es sollte so detailliert sein, dass ein qualifizierter Mitarbeiter den Betrieb verstehen, typische Aufgaben durchführen und Störungen grundlegend behandeln kann, ohne auf implizites Wissen angewiesen zu sein. Es ist empfehlenswert, spezifische Vorlagen für unterschiedliche Systemgruppen bzw. Adressaten zu erstellen (Tailoring).

Nach oben scrollen