Der Begriff „Rahmendokumente“ wurde von Reiss in früheren Publikationen als Sammelbegriff für übergeordnete Dokumente definiert, die allgemeine Vorgaben, Normierungen und Standards für den IT-Bereich festlegen. Sie haben Gültigkeit für alle Bereiche der IT-Dokumentation und bilden eine Klammer um die operativen Betriebs-, Sicherheits- und Projektdokumente.
Hintergrund und ursprüngliche Verwendung
Rahmendokumente fungierten als Fundament und strategischer Überbau der Dokumentationslandschaft. Sie regelten nicht das „Wie“ im Detail (das tun Betriebshandbücher), sondern das „Was“ und „Warum“ (Grundsätze). Nach der ursprünglichen Systematik lassen sich zwei Gruppen unterscheiden:
Unternehmensweite Vorgaben: Dokumente, die nicht allein in der IT-Verantwortung liegen, aber für die IT bindend sind (z. B. Compliance-Richtlinien, Datenschutz-Leitlinie).
IT-interne Rahmendokumente: Vorgaben, die das IT-Management für alle IT-Bereiche erlässt (z. B. IT-Strategie, Architektur-Richtlinien).
Warum der Begriff nicht mehr verwendet wird
Der Begriff „Rahmendokumente“ wird in der aktuellen Methodik der IT-Dokumentation nicht mehr verwendet, da er sich als zu ungenau erwiesen hat, um den Anforderungen moderner, integrierter Managementsysteme gerecht zu werden.
Mangelnde Trennschärfe und Präzision
Der Begriff war ein Sammelbegriff für alles, was „irgendwie übergeordnet“ war. Er vermischte oft strategische Willensbekundungen der Geschäftsführung (Leitlinien), fachliche Konzepte (z. B. Sicherheitskonzepte), organisatorische Regelungen (Richtlinien) und externe Vorgaben (Gesetze, Verträge). In der Praxis führte dies dazu, dass in der Kategorie „Rahmendokumente“ Dokumente mit völlig unterschiedlichen Lebenszyklen, Zielgruppen und Freigabeprozessen lagen.
Anpassung an internationale Standards (ISO/ITIL)
Aktuelle IT-Organisationen orientieren sich an Standards wie ISO/IEC 27001 (ISMS) oder ITIL. Diese Standards verwenden eine präzisere Terminologie. Der Begriff „Rahmendokument“ hat in diesen internationalen Standards kein direktes Äquivalent und erschwerte das Mapping der Dokumentation auf die Normforderungen.
Wechsel zur Dokumentenpyramide (Hierarchie statt Kategorien)
Frühere Ansätze teilten Dokumente oft in thematische Kategorien ein. Der aktuelle Ansatz nutzt eine hierarchische Sicht (Dokumentenpyramide), die sich an der Verantwortungsebene orientiert:
Dokumente des strategischen Managements: Hier finden sich heute die Leitlinien (IT-Strategie, Sicherheitsleitlinie). Sie geben das „Warum“ und die Ziele vor.
Dokumente des operativen IT-Managements: Hier finden sich Konzepte, Richtlinien und Prozessbeschreibungen. Sie regeln das „Was“ und „Wer“.
Dokumente der Ausführungsebene: Hier liegen die Handbücher und Anweisungen („Wie“).
Integration der Management-Disziplinen
In einer aktuellen Dokumentationsarchitektur müssen IT-Betrieb, ISMS, Notfallmanagement und Datenschutz integriert werden. Der Begriff „Rahmendokument“ suggerierte oft ein separates „Dach“, das losgelöst vom operativen Betrieb existiert. Im aktuellen Strukturierungsmodell werden diese Dokumente (z. B. die Informationssicherheits-Leitlinie) direkt als Vorgabedokumente der obersten Ebene in die Dokumentationsarchitektur eingebunden, um ihre Verbindlichkeit für alle Ebenen zu unterstreichen.
Die Inhalte der ehemaligen „Rahmendokumente“ sind damit nicht verschwunden, sondern wurden präziser klassifiziert. Sie finden sich heute meist als Leitlinien (Policies) auf der strategischen Ebene oder als übergreifende Richtlinien/Konzepte auf der Management-Ebene wieder.
Um deutlich zu machen, dass diese Dokumente den Rahmen (Scope und Regeln) setzen, innerhalb dessen sich die operative Dokumentation (Betriebshandbücher, Konzepte) bewegen muss.