Glossar

Wiederanlaufplan

Ein Wiederanlaufplan ist eine konkrete technische Handlungsanweisung zur Wiederherstellung und Inbetriebnahme eines spezifischen IT-Systems, einer Anwendung oder eines Services nach einem Ausfall oder einer Störung. Er ist Teil der Notfalldokumentation und wird im Rahmen eines Notfallszenarios (Notfallplan) aktiviert, um den Betrieb wieder aufzunehmen.

Der Wiederanlaufplan in der Notfalldokumentation

Der Wiederanlaufplan fokussiert rein auf die technische und prozessuale Wiederherstellung eines konkreten Objekts (System, Server, Datenbank, Fachverfahren). Er beantwortet die Frage: „Wie bekomme ich dieses System wieder zum Laufen?“ Wesentliche Inhalte sind:

Startvoraussetzungen

  • Welche Infrastruktur (Netz, Storage, AD) muss verfügbar sein?
  • Welche Abhängigkeiten zu anderen Systemen bestehen?

Wiederherstellungsschritte

  • Reihenfolge des Hochfahrens (z. B. DB → App → Web),
  • Einspielen von Backups / Restore-Prozeduren,
  • Konfigurationsanpassungen (z. B. IP-Adressen im Notbetrieb),
  • Synchronisation von Datenbeständen.

Funktionsprüfung und Freigabe

  • Tests zur Sicherstellung der Datenkonsistenz und Verfügbarkeit,
  • Kriterien für die Freigabe an die Anwender.

Rückkehr zum Normalbetrieb

  • Schritte zur Rückführung (Failback) nach Behebung der Ursache.

Der Wiederanlaufplan ist eng verzahnt mit:

  • IT-Betrieb (System- und Plattformbetrieb): nutzt Standardprozeduren aus dem Betriebshandbuch, ergänzt um Notfallaspekte.
  • Anwendungsmanagement: definiert anwendungsspezifische Konsistenzprüfungen und Abhängigkeiten.
  • Service-Management: orientiert sich an vereinbarten RTO (Recovery Time Objective) und RPO (Recovery Point Objective) aus SLAs.

Beispiele

Wiederanlaufplan „ERP-Datenbankcluster“

  • Prüfen Verfügbarkeit Storage, Restore des letzten Backups (Stand RPO), Start der Instanzen, Konsistenzcheck, Freigabe für Applikationsserver.

Wiederanlaufplan „Webshop-Frontend“

  • Bereitstellung Webserver aus Image/Template, Anpassung DNS-Einträge (Failover), Testzugriff, Freigabe für Kundenverkehr.

Wiederanlaufplan „Fachverfahren X bei Cloud-Ausfall“

  • Aktivierung des lokalen Notfall-Servers (kalter Standby), Import des letzten Datenexports, Information der Key-User über eingeschränkten Funktionsumfang.

Abgrenzung und Synonyme

Abgrenzung zum Notfallplan

  • Notfallplan: Regelt das Szenario (z. B. „Feuer im RZ“, „Cyberangriff“) inkl. Alarmierung, Sofortmaßnahmen, Kommunikation.
  • Wiederanlaufplan: Regelt das System (technischer Neustart/Restore).

Abgrenzung zum Betriebshandbuch

  • Betriebshandbuch: Beschreibt den Normalbetrieb und Standardstörungen.
  • Wiederanlaufplan: Beschreibt den Wiederaufbau nach kritischem Ausfall (Disaster Recovery), oft unter Zeitdruck und besonderen Bedingungen.

Synonyme

  • Disaster Recovery Plan (technischer Teil)
  • Restore-Plan
  • System-Wiederanlaufplan

Verwandte Begriffe

FAQ Wiederanlaufplan

Für kritische Systeme (hohe Verfügbarkeitsanforderung): Ja. Für weniger kritische Systeme reicht oft der Verweis auf Standard-Restore-Prozeduren im Betriebshandbuch.

Verantwortlich sind in der Regel die Systemverantwortlichen (System Owner) oder Anwendungsverantwortlichen, in Abstimmung mit dem Notfallmanagement (BCM), das die Vorlagen und Anforderungen (RTO/RPO) vorgibt.

Wenn der Provider den Wiederanlauf durchführt (Managed Service), muss er einen eigenen Wiederanlaufplan haben und dessen Funktionsfähigkeit (z. B. durch Tests/Reports) nachweisen. Der Auftraggeber benötigt einen übergreifenden Plan, der Schnittstellen, Kommunikation und Tests regelt.

Mindestens jährlich oder nach wesentlichen Änderungen am System (z. B. Release-Wechsel, Infrastruktur-Umbau). Nur getestete Pläne funktionieren im Ernstfall zuverlässig.

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