Eine Dokumentationsplattform ist die zentrale technische Infrastruktur (Software/Tool), auf der alle dokumentierten Informationen einer Organisation erstellt, verwaltet, versioniert und bereitgestellt werden. Sie unterstützt den gesamten Dokumentenlebenszyklus und dient als „Single Source of Truth“ für IT-Betrieb, Anwendungsmanagement, Service-Management, ISMS und Notfallmanagement. Typische Beispiele sind Wikis (Confluence), SharePoint oder spezialisierte Dokumentenmanagementsysteme (DMS).
Die Dokumentationsplattform im IT-Betrieb
Die Dokumentationsplattform ist mehr als nur ein Ablageort („Fileserver“). Sie muss aktiv Prozesse unterstützen und unterschiedliche Sichten auf Informationen ermöglichen und dabei Anforderungen aller IT-Bereiche integrieren:
Anwendungsmanagement (ALM): Die Plattform muss die Dokumentation entlang des Lebenszyklus (Requirements, Design, Build, Operate) abbilden und verknüpfen. Entwickler und Betrieb müssen auf demselben Stand arbeiten (DevOps-Ansatz).
IT-Servicemanagement (ITSM): Die Plattform stellt die Wissensbasis (Knowledge Base) für den Service Desk bereit. Sie verknüpft Service-Informationen (SLA) mit technischen Details, um schnelle Lösungen bei Incidents zu ermöglichen.
Outsourcing/Provider: Die Plattform muss Mechanismen bieten, um externe Partner einzubinden (z. B. geschützte Bereiche für Provider-Dokus) oder Schnittstellen, um Dokumente aus Provider-Portalen zu integrieren/verlinken.
Sicherer IT-Betrieb & ISMS: Die Plattform benötigt ein Berechtigungskonzept (wer darf lesen/schreiben?), Audit-Trails (wer hat was geändert?) und muss gegen Datenverlust gesichert sein (Backup). Sie dient als Ablageort für Nachweise (Audit-Proof).
Notfallmanagement: Eine entscheidende Anforderung ist die Verfügbarkeit im Notfall. Wenn die Plattform selbst ausfällt (z. B. RZ-Brand), müssen Notfallhandbücher dennoch zugreifbar sein (z. B. durch Synchronisation auf Offline-Medien oder redundante Cloud-Instanzen).
Beispiele
Enterprise Wiki (z. B. Confluence)
Wird oft für die dynamische Betriebsdokumentation genutzt. Inhalte sind verlinkt, durchsuchbar und kollaborativ pflegbar. Nachteil: Oft schwächer bei strengen Lenkungs-Workflows (Freigabe).
DMS / ECM (z. B. SharePoint mit Lenkungs-Workflow)
Geeignet für formelle Dokumente (Richtlinien, Verträge), die revisionssicher archiviert und gelenkt werden müssen.
Integrierte IT-Service Management-Suite
Die Dokumentation ist direkt am Asset (CMDB) oder Prozess (Incident) hinterlegt. Ideal für den operativen Betrieb.
Abgrenzung und Synonyme
Abgrenzung zur CMDB
CMDB: Verwaltet strukturierte Daten und Beziehungen von CIs (Configuration Items), z. B. „Server X hat IP Y“.
Dokumentationsplattform: Verwaltet unstrukturierte oder semi-strukturierte Informationen, Konzepte, Handbücher und Anleitungen. Beide Systeme sollten verknüpft sein.
Abgrenzung zum Dateisystem (Fileserver)
Ein Fileserver bietet reine Dateiablage ohne Metadaten, Versionierungshistorie, Verlinkung oder Workflow-Unterstützung. Er gilt heute als ungeeignet für komplexe IT-Dokumentation.
Die Plattform darf kein „Single Point of Failure“ sein. Kritische Dokumente (Notfallhandbuch) müssen regelmäßig exportiert (PDF) und an einem unabhängigen Ort (z. B. sicherer Cloud-Speicher, verschlüsselte Tablets) bereitgestellt werden.
Entweder durch Zugänge (Provider pflegt direkt auf der Plattform) oder durch definierte Schnittstellen/Ablagebereiche, wo gelieferte PDFs revisionssicher abgelegt werden. Wichtig: Die Hoheit über die Struktur sollte beim Auftraggeber bleiben.
Oft ist eine Trennung sinnvoll: Ein Wiki für die dynamische Technik-Doku und ein DMS für vertragliche/formelle Dokumente – verbunden durch Links. Wichtig ist eine klare Dokumentationsarchitektur: welches Dokument liegt wo.
Ja, sehr gut. Wikis erlauben die Verlinkung von Komponenten und die Einbettung von dynamischen Diagrammen (z. B. Draw.io, Gliffy), was die Aktualität im Architekturbetrieb fördert.